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Winterwanderung um den Wiesbüttsee

  • Beitrags-Kategorie:Unterwegs

Am letzten Sonntag waren wir mal wieder im Spessart unterwegs, unser Ziel, der Wiesbüttsee der oberhalb von Bieber liegt. Nachdem wir Bieber ein Ortsteil von Biebergemünd erreicht hatten, führte unsere Weg über eine 5 km sehr enge und Kurvenreiche Straße ins Flörsbachtal zum Wiesbüttsee. Obwohl nur knapp 50 Kilometer von unserem Heimatort entfernt, herrschten hier sehr winterliche Verhältnisse.

Wir parken das Auto auf einem Parkplatz gegenüber dem Wiessbüttsee und überqueren die Strasse, hier steht eine ominöse Metallkiste. Es soll sich um eine „Bücher-Schatztruhe“ handeln, ich habe leider nicht reingeschaut, wäre sicherlich interessant gewesen. Vielleich beim nächsten Mal. 😀

Wir gehen links am See vorbei in Richtung Moor.

Das Wiesbüttmoor liegt an der Spessart-Höhenstraße auf 436 Metern und ist das höchstgelegene und größte Moorgebiet im Naturpark Spessart. Im heutigen Moorgebiet befand sich ursprünglich ein nasser, zeitweilig überstauter Wald mit zahlreichen kleine Quellen. Nach der Rodung des Waldes im Spätmittelalter versumpfte der Bereich allmählich.

Ein weiterer Faktor, der die Moorbildung begünstigte, war die Anlage des Wiesbüttsees. 1765 staute man nach Plänen des Bergmeisters Johann Philipp Cancrinu den Aubach auf, um den Bergbau im benachbarten Lochborn bei Bieber mit Wasser zu versorgen.. Durch den Aufstau wurde das Wasser auch in der Geländemulde oberhalb des Wiesbüttsees zurückgehalten. Die versumpfte Mulde mit ihrem stehenden, nährstoffarmen und sauren Wasser konnte nun von Torfmoosen besiedelt werden; ein Zwischenmoor entstand. 1953 wurde das Moor zum Naturschutzgebiet erklärt, um seine im Spessart einzigartige Vegetation zu erhalten.

Wiesbüttmoor

Die Wege gehen sich heute etwas beschwerlich, durch die Holzernte sind die Wege ziemlich uneben und aufgrund der Wetterlage auch vereist. Nichtsdestotrotz genießen wir die wunderschöne Landschaft und die warmen Sonnenstrahlen, die uns umhüllen.

Wir kommen nach Mosborn, ein idyllisches kleines Dorf das zur Gemeinde Flörsbachtal gehört. Mosborn wurde im Jahr 1768 auf Befehl des Erbprinzen von Hanau Wilhelm IX, der spätere Landgraf Wilhlem I. von Hessen-Kassel, gegründet.

Hier in Mosborn ist es nochmal etwas winterlicher als am Wiesbüttsee.

Kurz hinter Mosbach müssen wir uns entscheiden, ob wir auf den verschneiten Höhenweg abbiegen oder unseren Weg weiter auf der Bundesstraße fortsetzen. Wir entscheiden uns für den Waldweg, weil uns auch nicht ganz klar ist, wo uns der zweite Weg hinführt.

Es geht steil bergauf und es liegt eine Menge Schnee, eine große Menge. Wir versinken bis zu den Waden darin. Aber es nützt nicht, da müssen wir jetzt wohl durch.

Der hohe Schnee bremst uns etwas aus und wir kommen langsam voran. Im Winter ist hier offensichtlich nicht viel los. Außer unseren Fußspuren und einer Spur die von einem Mann mit Langlaufskiern stammen, sind nur Tierspuren zu sehen. Der Langläufer war einige Meter vor uns und schnallte die Skier immer mal wieder ab, er tat sich wohl auch etwas schwer, der Untergrund war für die Skier auch nicht unbedingt geeignet.

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Schneewittchen, das über die sieben Berge zu den sieben Zwergen flüchtet. Was aber nicht jeder weiß, ist, dass Schneewittchen aus Lohr a.Main stammte und über die sieben Spessart-Berge nach Biebergemünd zu den dortigen (kleinwüchsigen) Bergleuten in Bieber geflohen ist. Der Schneewittchen-Wanderweg folgt ihren Spuren. Im 18 Jh. lebte nämlich im Lohrer Schloss Maria Sophia Margarethe von Erthal mit ihrer bösen und neidvollen Stiefmutter zusammen. In dem Schloss, in dem sich heute das Spessartmuseum befindet, kann man noch den Spiegel besichtigen, aus dem die Stiefmutter die verhängnisvollen Worte hören musste, dass sie eben nicht die Schönste im ganzen Land sei. Die Schönste war schon längst geflohen. Ihren Fluchtweg zeichnet der Schneewittchen-Wanderweg nach. Er verläuft über Forststraßen und Waldwege durch dichte Laub-Mischwälder und führt vom Schloss in Lohr a.Main zunächst nach Partenstein. Weiter geht es an Frammersbach vorbei. Entlang der Strecke gibt es immer wieder Kultur- und Naturschätze zu bewundern: Die Valentinuskapelle in Lohr und die Heiligkreuzkapelle oberhalb von Frammersbach, das mystische Wiesbütt-Moor, die Lochmühle und die einsame Mauritiuskapelle aus dem 11. Jh.. In und um Bieber informieren Tafeln über die wechselvolle Geschichte des Bergbaus, der erstmals 1494 erwähnt wurde. Hier wurden Silber, Kupfer, Blei, Eisen und Kobalt abgebaut, wofür man in den engen Stollen besonders klein gewachsene Menschen brauchte. Die Bieberer Zwerge, die Schneewittchen so freundlich aufgenommen haben …

Auch wir sind hier auf diesem Weg unterwegs.

Ein Teil des Schneewittchenweg ist der Grenzweg der Landesgrenzen Bayern und Hessen.

Als wir an diesem Schild vorbei kamen, wusste ich, unser Ziel ist in greifbarer Nähe (2 km) und das Schöne daran, es geht überwiegend bergab.

Der Wiessbüttsee ist zugefroren, es waren dort einige Leute mit Schlittschuhen unterwegs.

Auch wenn es Streckenweise etwas anstrengend war, es war eine tolle Wanderung. Der glitzernde Schnee, die herrliche Landschaft und der idyllische Wiesbüttsee, es war einfach zauberhaft.

Danke, das ihr mich begleitet habt und vielen Dank an Heike für das sammeln unserer Monatsspaziergänge.

Verlinkt beim Monatsspaziergang und bei Niwibo sucht … „Weiss im Januar“

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. niwibo

    Was für eine tolle Winterlandschaft, wunderbar schaute es dort aus.
    Das mit dem Schneewittchenwanderweg kannte ich noch nicht. Hört sich gut an.
    Ein schöner Spaziergang. Schade, dass der Schnee nun schon wieder weg ist.
    Lieben Gruß
    Nicole

    1. Claudia

      Ja, das ist schade, ich hätte gerne auch noch ein wenig Schnee gehabt. 🙁
      Danke dir und liebe Grüße,
      Claudia

  2. Astrid

    Ach wie herrlich, dir durch diese verschneite Welt auf dem Schneewittchenweg zu folgen! All das hat für mich als Januarkind eine doppelte Bedeutung, durfte ich doch als Kindergartenkind, noch in meinem Odenwälder Dorf, mit meinen schwarzen langen Haaren auf einem Faschenachtswagen die Märchenfigur verkörpern. Dass es in dieser Gegen dann auch noch Bergbau gegeben hat… Ja, Hessen ist deutsches Märchenland, ganz und gar.
    Danke fürs Mitnehmen und eine gute Nacht!
    Astrid

    1. Claudia

      Märchenland auf jeden Fall, die Gebrüder Grimm haben hier an vielen Orten ihre Spuren und Märchen hinterlassen.
      Danke und liebe Grüße,
      Claudia

  3. 3he fecit

    Noch ein Winterwunderland beim Monatsspaziergang. Und ein weiterer See noch dazu. Du hast bei weitem den meisten Schnee angefunden. Das verschneite Moor gefällt mir gut, aber auch der tiefverschneite Waldweg. Und selbst das Schild zum Schneewittchenwanderweg passt sich an das schwarz-weiße Farbschema an 😉
    Jetzt bekomme ich doch tatsächlich Sehnsucht nach Schnee…
    Liebe Grüße, heike

    1. Claudia

      Das im Spessart so viel Schnee lag, damit habe ich selbst nicht gerechnet und es hat mich auch etwas erstaunt.
      So ein weißer Winter ist schon sehr schön. 🙂
      Liebe Grüße,
      Claudia

  4. Elke

    Liebe Claudia,
    das ist Winter, wie man sich den Winter vorstellt – fantastische Bilder. Das mit Schneewittchen im Spessart ist mir total neu. Schön, dass du das erzählt hast. Danke.
    Herzliche Grüße – Elke

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