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Durch Wiesen und Felder zur Grüninger Warte – Monatsspaziergang Mai 2026

  • Beitrags-Kategorie:Unterwegs

Zum Monatsspaziergang geht es heute in die Stadt Pohlheim, die im südlichen Teil des Landkreises Gießen liegt. Unser Auto parken wir am Ortsrand von Watzenborn-Steinberg, ein Stadtteil von Pohlheim, das ca. 6 km von Gießen entfernt ist.

Das Dorf lassen wir hinter uns, wandern durch die Felder und überqueren die Grüninger Straße. Hier sind wir direkt von idyllischen Streuobstwiesen umgeben.

Es geht leicht Bergauf zum Sandberg, hier dokumentiert der rekonstruierte Römerturm ein Stück Limes-Geschichte. Hier auf Pohlheimer Grund hatte der Limes seinen nördlichsten Punkt. Dahinter lag nur noch Barbarenland, wie die Römer die wenig kultivierten Volksgruppen aus den germanischen Wäldern nannten.

Um daran zu erinnern und einen weiteren, der Landwirtschaft geschuldeten Verfall des Limes zu verhindern, kaufte der Gießener Psychiatriedirektor Professor Robert Sommer 1910 ein gut 3.000qm große Gebiet zwischen Watzenborn-Steinberg und Grüningen und errichteten wenig später einen Gedenkstein. Diesen kennt man heute als Barbarenstein, denn Prof. Sommer vermerkte mit Sinn für Humor, dass der Limes-Gedenkstein von einem Barbaren – einem Nicht-Römer – errichtet wurde.

Das Grundstück ging auf Wunsch des Stifters später an den Heimatverein Pohlheim, der hier 1967 den Limes-Wachturm nachbauen ließ. Der Römerturm hat einen Durchmesser von 19m und ist Teil des Wappens der 1970 gegründeten Stadt Pohlheim.

Nachdem wir das Grundstück rund um den Römerturm erkundet haben, ging es weiter in Richtung Grüningen.

Mitten im Feld – ein wunderschöner Fliederbusch.

Die Grüninger Warte, im Volksmund „das Hoinkdebbe“ genannt, wurde 1713 von Wilhelm Moritz zu Solms Braunfels, Greifenstein und Grüningen als Windmühle nach holländischem Vorbild erbaut und war nur etwa 80 Jahre bis 1794 in Betrieb.

Sie ist vermutlich auf dem Gelände der erstmals 1445 und im Zusammenhang mit der Solms´schen Landesgrenze 1476 erwähnten Warte erbaut. Angeblich um den Wohlstand der Bevölkerung zu heben, diente sie jedoch der Besteuerung der Bauern, die dem „Mühlenzwang“ unterworfen in der Grüninger Windmühle ihr Getreide mahlen lassen mussten.

Über eine Innentreppe gelangt man zum oberen Stockwerk des Turms, von dem aus man eine sehr gute Fernsicht über Taunus, Wetterau, Vogelsberg und das Gießener Becken hat.

Die Heimatkanzel, ein Denkmal das die Stadt Pohlheim ebenfalls Prof. Robert Sommer zu verdanken hat. Das Denkmal wurde 1929 errichtet und wurde seinerzeit von Prof. Robert Sommer u.a. für Vorträge genutzt. Hier oben hat man einen wunderbaren Blick ins Gießener Becken.

Am Wegesrand ein Stein mit dem Gedicht „Weite Welt und breites Leben“ von Johann Wolfgang von Goethe.

Es geht noch ein Stück durch die Felder, zurück zu den Steuobstwiesen.

Heike sammelt wie immer alle Monatsspaziergänge, vielen Dank. 🙂

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Nur 80 Jagre war die Mühle in Betrieb? Na, die Bauern werden aufgeatmet haben, dass dieser Zwang wegfiel. Aber bestimmt an anderer Stelle aufgefangen wurde…
    Ich bin immer wieder erstaunt, wie verzweigt und weit der Limes doch ging. Sehr spannend. Und sehr schön anzusehen Dein Monatsspaziergang.
    Dankeschön fürs Mitnehmen.
    Noch einen schönen Sonntag und liebe Grüße
    Nina

    1. Claudia

      Die Mühle muss relativ baufällig gewesen sein, man hat wohl von den eingenommenen Geldern wenig in den Erhalt der Mühle investiert und so wurde sie dem Verfall preisgegeben.
      Hab eine schöne Woche.
      Danke und liebe Grüße,
      Claudia

  2. Bienenelfen

    Was für ein herrlicher Spaziergang liebe Claudia. Mit Freude sind wir mit spaziert und haben die tollen Ausblicke und die wunderbare Naturlandschaft genossen. Ja der Goethe der wusste schon wie man das ausdrücken kann was man am beim Spazieren gehen sehen kann.

    Herzliche Grüße
    Kerstin und Helga

    1. Claudia

      Das konnte er, der Herr Goethe. 😀
      Danke euch und sende herzliche Grüße zurück,

  3. Elke

    Ein schöner Spaziergang, liebe Claudia. Aber kannst du das Hoinkdippe oder Hoinkdebbe bitte mal ins Hochdeutsche übersetzen? Das Internet ist leider keine Hilfe. Dippe oder Debbe heißt ja vielleicht Topf, aber was muss ich mir denn unter dem Hoink vorstellen? Vielleicht Honigtopf? Das „ink“ erinnert mich natürlich auch an Tinte, aber das wäre Englisch. Macht irgendwas davon Sinn?
    Herzliche Grüße – Elke

    1. Claudia

      Mit dem Honigtopf liegst du absolut richtig, liebe Elke. Manche Wörter im Dialekt sind aber auch eine echte Herausforderung, da muss man schon einige Überlegungen anstellen. Ich übersetze es auch als Honig bzw. Mustopf. Hoink ist die Bezeichnung für Honig oder Mus auch gerne Latwerge genannt und das Dippe als Topf. Ich denke da an einen runden Steinguttopf im Bembeldesign.
      Was ich auch gefunden habe. die Räärer Hoinkdeppe, ein Uzname für die Bewohner vom Gießener Stadtteil Rödgen. der Ort war bekannt dafür, das dort viel Zwetschgenmus gekocht wurde.
      Liebe Grüße,
      Claudia

  4. mano

    ein wirklich wunderschöner spaziergang mit viel natur und viel interessantes in dieser geschichtsträchtigen gegend. an einigen eckes des limes sind wir – als ich noch in wetzlar wohnte – auch öfter herumspaziert. den römerturm von pohlheim als auch die grüninger warte kenne ich allerdings nicht. wunderschön die kastanie, der fliederbusch und die herrlichen ausblicke.
    danke fürs mitnehmen, ich war diesmal in einem museumsdorf unterwegs.
    liebe grüße von mano

  5. 3he fecit

    Der eine baut eine Mühle zum vordergründigen Wohle seiner Untertanen, der eigentliche Zweck jedoch die eigene Bereicherung. Der andere tritt als Stifter auf, anscheinend ohne eigenen Vorteil außer der Erhaltung von historischen Stätten, und Humor hat er auch noch. Neben viel Natur kommen bei deinem Monatsspaziergang auch noch verschiedene Facetten menschlicher Natur zutage. Sehr interessant. Auch die Gebäude, Türme irgendwie alle beide, und doch komplett unterschiedlich. Neben dem Fliederbusch hat es mir bei deinem Spaziergang jedoch vor allem das gelbblühende Rapsfeld angetan.
    Liebe Grüße von einer Barbarin aus den germanischen Landen nördlich der Donau, die es nun in die Nähe von Flavia Solva verschlagen hat. Eine schöne Woche wünscht heike

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