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12tel Blick – Juni 2022

Heute gibt es viel Text, ich möchte von einem der vermutlich bekanntesten Bewohner der Ronneburg berichten Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf.

Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf und Pottendorf (*26. Mai 1700 in Dresden;† 9. Mai 1760 in Herrnhut) war ein lutherischer Theologe und Dichter zahlreicher Kirchenlieder sowie Gründer und Bischoff der Herrnhuter Brüdergemeine, einer weitgehend selbstständigen Kirchengemeinde.

Im Jahr 1736 wurde Nikolaus Graf von Zinzendorf das Schloss Marienborn mit weitläufigen Ländereien zur Pacht angeboten. Für ihn eine verlockende Aussicht – vor allem, weil die Entfernung zu Herrnhut nicht gar so weit entfernt ist! Er beschließt also, sich Marienborn anzusehen.

Zunächst hält er sich in der alten Reichsstadt Frankfurt mehrere Tage auf. Dorthin kommen aus Herrnhut einige Brüder und Schwestern, der Grundstock seiner Pilgergemeine; auch zwei Kinder des Grafen, Benigna und Christian Renatus, treffen mit ihnen ein. Der Besuch des berühmten Grafen erregt Aufsehen in der Stadt. Es gibt Versammlungen, Besuche, Einladungen. Dann aber eilt er mit seinem Gefolge nach Marienborn, das ihm gut gefällt. Das ansehnliche Schloss würde der gräflichen Familie einen standesgemäßen Wohnsitz und viel Platz für die Pilgergemeine und Besucher bieten. Aber Zinzendorf will erst noch den Willen des Heilands erkunden und befragt das Los, ob er Marienborn pachten soll. Leider sagt das Los ein deutliches „Nein“, er befragt zwei weitere Male das Los und erhält jedes Mal ein „Nein. Für den Grafen ist klar, das er das Schloss nicht pachten darf. Aber er weiß mit dem Los umzugehen und stellt ihm eine neue Frage: ob ein anderer für ihn Marienborn pachten soll ? Und siehe da, das Los lässt ihm gnädig diesen Ausweg offen. Zinzendorf hat auch schon eine klare Vorstellung, an wen er sich mit seinem Anliegen wenden muss: Er denkt an seine holländischen Freunde, die die geforderte Pachtsumme leicht flüssig machen können. Aber die Verhandlungen werden einige Zeit dauern; inzwischen muss die Pilgergemeine anderswo unterkommen.

Zinzendorf nimmt für einige Tage die Einladung des Grafen Carl Ernst von Schrautenbach an, der ganz in der Nähe von Marienborn in Lindheim wohnt. Dann kommt ein neues Angebot: Der Graf könnte für einige Monate die nahe gelegene Ronneburg mieten. Zinzendorf schickte den bewährten Christian David zur Ortsbesichtigung auf die Burg. Der kommt ganz entsetzt zurück. In diesem halb verfallenen, verdreckten Raubritternest hausen Diebe und Zigeuner; daneben wohnen viele jüdische Familien dicht gedrängt in den Gebäuden des Vorhofs: „Da könne kein Mensch leben und bleiben.“ Die übrigen Brüder und Schwestern stimmen Christian David bei, erschreckt durch seine Schauergeschichten. Aber für den Grafen hat die Ronneburg gerade dadurch an Reiz gewonnen: Gibt es dort nicht eine Aufgabe für die Pilgergemeine, muss man sich nicht gerade um diese armen, ausgestoßenen Menschen kümmern ? In aller Stille wandert Zinzendorf an einem der nächsten Tage selbst auf die Burg, findet alles halb so schlimm und kommt abends mit dem festen Entschluss nach Lindheim zurück, gleich am nächsten Morgen in den inneren Teil der Burg einzuziehen. Allen flehentlichen Bitten gegenüber bleibt er taub. Den Brüdern und Schwestern bleibt also nichts übrig, als ihm zu folgen. Am nächsten Sonntag bereits predigt der Graf auf der Ronneburg; von allen Dörfern der Umgebung kommen Menschen herbei, um ihn zu hören.

(Erika Geiger – Biografie Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf)

Wie es weiterging mit dem Grafen, seiner Familie und den Brüdern und Schwestern der Pilgergemeine erzähle ich euch im nächsten Monat.

So sieht Marienborn heute aus, inzwischen ein Hofgut. Ich hatte in diesem Beitrag schon einmal über Marienborn als Kloster berichtet. 500 Jahre später war es ein Schloss. Ein interessanter Werdegang, bisher habe ich leider nur wenige Informationen über Marienborn gefunden, ich werde nochmal etwas recherchieren müssen, finde das nämlich total spannend. Auf dem Foto oben links sieht man den Eingang, das Gebäude unten links stamm tatsächlich noch ein altes Klostergebäude aus dem 12. Jahrhundert. Auf dem Torbogen der sich innerhalb des Hofs befindet steht das Jahr 1708.

Am 21. Juni fuhr ich in Richtung Ronneburg, von weitem sah ich die Burg und meine Gedanken schweiften zu Graf von Zinzendorf. Aus welcher Richtung mag er 1736 auf dem Weg zur Burg gekommen sein ? In welcher Jahreszeit wird dies gewesen sein ? Was hat er gesehen ? Wie sah es hier vor mehr als 280 Jahren aus ?

Dieses Mal kam ich erst am 30.06. dazu meine Fotos zu machen, am frühen Morgen um 6:30 Uhr fuhr ich zur Burg. Ich bin auch mit dem Ergebnis so gar nicht zufrieden. Die Fotos wirken sehr blass und farblos. Meine Kamera muss dringend mal zur Überprüfung zum Händler, seit einiger Zeit habe ich immer wieder Probleme mit dem guten Stück.

Mein erster Blick

Mein zweiter Blick

Wie jeden Monat sammelt Eva von verfuchstundzugenäht unsere Blicke, schaut doch mal vorbei.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Nanni Guggemos

    Ich mag deine beiden Blicke sehr gerne und finde, die Farben der neuen Bilder auch sehr schön! Eine wunderbare Morgenstimmung. Auch den „vielen Text“ über Zinzendorf finde ich sehr interessant!
    Liebe Grüße
    Nanni

    1. Claudia

      Vielen Dank. Es war auch total schön, so früh am Morgen an der Burg zu sein.
      Liebe Grüße,
      Claudia

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